Wirtschaftsgespräche am Main mit Dr. Paul Achleitner

Patient Wirtschaft: Allianz-Finanzvorstand stellt Diagnose für die Zeit nach der Krise

Kurzfilm zur Veranstaltung

„Wir müssen uns klar werden, dass es künftig kein leistungsförderndes Doping mehr geben wird und dass wir nicht mehr so schnell und so stark sein werden wie vorher."  Es war ein einleuchtender Vergleich, mit dem Paul Achleitner bei den  Wirtschaftsge­sprächen am Main Ursachen und Folgen der Finanzkrise auf einen Nenner brachte. Und es war nicht der einzige: Der Allianz-Finanzvorstand veranschaulichte den Gästen der gemeinsamen Veranstaltung von FAZ, Hotel InterContinental, Messe Frankfurt und der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain mit treffenden Analogien die ganze Krankheitsgeschichte der internationalen Wirtschaft bis zum September 2008.

Diese habe 20 Jahre lang Drogen in Form von billigen Krediten eingenommen. Wenngleich laut Achleitner mit diesem billigen Geld auch sehr viele wichtige Entwicklungen finanziert wurden - von der Wiedervereinigung über die EU-Erweiterung bis zur Infrastruktur für des World Wide Web - so habe es „uns letztlich berauscht und an den Rand des Herzinfarkts gebracht." Die Politik sei dann - wie ein guter Chirurg - als Lebensretter eingesprungen. Zwar sei die Verlegung von der Intensiv- auf die Normalstation schon geschehen - über den Berg ist die internationale Wirtschaft nach Einschätzung des Allianz-Finanzvorstandes aber noch nicht.

Was muss getan werden, damit die Erholung weitergeht und der Patient sich stabilisiert? Wichtig aus Sicht des Spitzenmanagers: Ein Regelwerk für die Finanzindustrie, das ökonomisch Sinn macht und nicht alle Produkte über einen Kamm schert. Und: Eine  bewusste Rückkehr zur Normalität - mit weniger günstigen Krediten, niedrigeren Steuereinnahmen und niedrigeren Renditen.

Als problematisch stufte Achleitner die Einstellung viele Banker ein, die allzu schnell und gern wieder zur Tagesordnung des Status quo vor der Krise übergehen würden. Optimistisch dagegen stimmt ihn seine Beobachtung, dass sich bei vielen jungen Leitungsträgern in der Finanzindustrie die Prioritäten in eine positive Richtung verschieben: „Diese Generation ist nicht nur monetär und auf maximalen Erfolg ausgerichtet, sondern fragt auch ganz dezidiert nach dem gesellschaftlichen Nutzen der eigenen Tätigkeit."
Referent:Dr. Paul Achleitner, Finanzvorstand der Allianz SE
Datum:11.11.200912:00 Uhr
Ort:Hotel InterContinental Frankfurt, Wilhelm-Leuschner-Straße 43, 21. Stock, Raum "Silhouette"

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