Wirtschaftsgespräche am Main mit Dr. Rüdiger Grube

„Die Deutsche Bahn gehört zu dieser Stadt wie der Messeturm und der Flughafen“

„Für viele hat er den schwierigsten Job, den es in der deutschen Wirtschaft gibt". Mit diesen begrüßenden Worten beschrieb der Vorsitzende des Vorstandes der Wirtschaftsinitiative, Prof. Dr. Bender, die zahlreichen Herausforderungen, mit denen sich der  Bahn-Chef derzeit konfrontiert sieht. „Alles halb so wild", entgegnete der Gastredner der 74. Wirtschaftsgespräche am Main, Dr. Rüdiger Grube, vor rund 120 Gästen im InterContinental Frankfurt.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG machte aber schnell klar: Die Managementaufgaben innerhalb des Konzerns, der täglich über sieben Millionen Menschen befördert, im weltweit dichtesten Schienennetz 40.000 Züge bewegt und 255.000 Mitarbeiter beschäftigt, sind extrem anspruchsvoll.  Zumal sich Grube in den ersten 425 Tagen im neuen Amt vor besondere Aufgaben gestellt sah: Finanzkrise, Wirtschaftskrise und Datenskandal. Sein Rezept: „Wir haben den Stresstest bestanden, weil wir schnelle und klare Entscheidungen getroffen haben. Je größer die Aufgaben, desto entschiedeneres Leadership ist gefragt."

Baustellen auf dem Weg der Bahn zum führenden internationalen Mobilitätskonzern gibt es laut Grube aber noch einige: „Wir müssen unser Kerngeschäft weiter optimieren. Das heißt zum Beispiel, dass Reiseinformationen auch im Krisenfall jederzeit verfügbar sein müssen. Und dass wir im Unternehmen noch viel mehr aus Kundensicht agieren und denken müssen." Auf die Leistungsbereitschaft seiner Mitarbeiter könne er hierbei voll und ganz zählen. Sie stehe im krassen Missverhältnis zum teilweisen negativen Image der Bahn in der Öffentlichkeit. Dem Manager ist es ein großes Anliegen, diese Schere zu schließen: „Wir wollen ein sympathisches Unternehmen sein", gibt Grube die Richtung vor. 

Klare Worte fand der Vorstandsvorsitzende in seinem mitreißenden Vortrag auch zur Wettbewerbssituation der Bahn. Es sei absolut inakzepta­bel, wenn zahlreiche europäische Anbieter problemlos in Deutschland operieren könnten, seinem Unternehmen aber die Erschließung neuer Märkte, beispielsweise in Frankreich, erschwert würde. Mit dem angestrebten Kauf von Arriva setze man nun ein deutliches Wachstumssignal an die großen europäischen Wettbewerber.

Im Hinblick auf den Börsengang verfolgt Grube eine ebenso eindeutige Linie: „Erst einmal geht es darum, das Unternehmen topfit zu machen - gerade auch im technischen Bereich. Der Gang an die Börse bleibt weiterhin eine künftige Option."  Für die Zwischenzeit wünscht sich Grube, die Bahn nicht am Geld verdienen zu hindern. Denn dieses bräuchte man für die notwendigen Infrastruktur-Investitionen in Milliardenhöhe.

Gefreut haben sich die zahlreichen Gäste über das Bekenntnis des Bahn-Chefs zum Standort Frankfurt. Mit seinen 12.000 Mitarbeitern allein in Frankfurt gehöre die Deutsche Bahn zu dieser Stadt  "wie der Messeturm und der Flughafen." Hessenweit beschäftigt das Unternehmen 24.000 Mitarbeiter und ist damit nach der Deutschen Lufthansa zweitgrößter Arbeitgeber des Landes.



Die Wirtschaftsgespräche am Main sind eine Kooperation der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain, der Messe Frankfurt, des Intercontinental Hotels und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zu den Gesprächen werden hochrangige Wirtschaftsführer  oder  Politiker eingeladen, die zu aktuellen Themen referieren.

Datum:02.07.201012:00 Uhr
Ort:Hotel InterContinental, Frankfurt; Wilhelm-Leuschner-Straße 43, 21. Stock, Raum "Silhouette"

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